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Begegnung fördern, die Liebe erweckt

Loro-Parque-Familie als Vermittler zwischen Tierwelt und dem Menschen:

 

Müßte ich den Eindruck haben, hier irgendeinem unserer Tiere weh zu tun - ich würde mich sofort gegen mich selber stellen“, sagt Wolfgang Kiessling, Gründer und Direktor des Loro Parque in Punta Brava (Puerto de la Cruz): „Ich bin verantwortlich für diese Familie, die ich geschaffen habe. Ich bin verpflichtet, für ihr Wohlergehen zu sorgen.“
Kiesslings Familie besteht aus Hunderten von Tieren und Hunderten von Menschen. Alle müssen versorgt sein. Insbesondere Papageien, aber längst auch Gorillas, Schimpansen, Seelöwen, Pinguine, Riesenschildkröten und Delphine bevölkern den Park. Nicht unerwähnt läßt Kiessling einen gemütlichen Boxer („Big Mac“) und einen vorwitzigen Dackel („Oskar“); die beiden Hunde begleiten Besucher auch gern einmal neugierig bis ins Büro.
„Hunde im Wasser“
Ebenso neugierig heben die Delphine ihre Gesichter über die Ränder der großzügigen Becken, wenn Besuch eintrifft. Nimmt einer der Betreuer den Ball in die Hand, sind sie sofort ganz bei der Sache und wollen spielen. Würde man sie von ihrer Loro-Parque-Familie trennen, dann wäre der Schmerz der empfindsamen und anhänglichen Tiere ganz ähnlich dem eines irgendwo ausgesetzten und von „seinen Menschen“ verlassenen Hundes. Das sagt nicht nur Wolfgang Kiessling, dem man schlichtes geschäftliches Interesse unterstellen könnte, insofern die Delphine für die Gäste seines Parks eines der Highlights darstellen: „Es grenzt an Tierquälerei, wenn Leute erreichen wollen, daß völlig an Menschen gewöhnte Tiere wieder wild werden sollen“, erklärte der Tiermediziner Finn Bernsten vom Norwegischen Institut für Naturforschung angesichts der Forderung nach „Auswilderung“ des Filmstar-Orcas Keiko („Free Willy“), die - wie von Fachleuten vorhergesagt - trotz des Einsatzes von rund 16,3 Millionen Euro und zwanzig Betreuern - in einem für das Tier tödlichen Desaster endete. Auch Dietmar Todt, Professor an der Freien Universität Berlin, hat bei seiner Arbeit im Delphinarium von Eilath (Israel) die Erfahrung gemacht, daß Meeressäuger, die an den Menschen gewöhnt sind, das Zusammenleben nicht aufgeben mögen: Auch wenn ins Meer entlassen, kommen sie immer wieder ganz bald zurück. Weiter: „Es gibt nur ganz wenige Erkenntnisse über Tiere, die das (Auswildern) tatsächlich überlebt haben, aber auch das ist nicht sicher“, erklärte Rainhard Frese als Direktor des zoologischen Gartens in Duisburg.
Zoologische Experten haben in Bezug auf die Delphine die Metapher vom „Hund im Wasser“ geprägt: Sind die intelligenten Meeressäuger erst einmal an den Menschen gewöhnt, so genießen sie die Symbiose in vollen Zügen. Gerade aufgrund ihrer besonderen Intelligenz halten sich die Delphine gern an den Menschen. Wo der zum Beispiel Fisch-Abfälle ins Wasser zurückwirft, weil sie für die menschliche Ernährung nicht taugen, ist der Delphin rasch zur Stelle; was schon gejagt ist, braucht er selbst nicht mehr zu jagen: Mahlzeit ist bereitet - also „Mahlzeit!“
Bedrohte Kulturfolger
„Als Kulturfolger bedienen sich Delphine und andere Zahnwalarten auch in der Wildbahn gerne des Menschen und dessen bei der Fischerei anfallenden ‘Abfalls’. So ist es nicht verwunderlich, daß Delphine (oder auch ein Orca!), aus menschlicher Obhut entstammend, kaum das Bedürfnis zeigen, aus eigenem Antrieb der mühsamen Jagd nachzugehen. Zumal effiziente Jagd auch mühsam erlernt werden will.“ So dazu ein Statement des Duisburger Zoos.
Intelligente Wesen werden immer dazu neigen, die Vereinfachung des Lebens-Alltags aufzugreifen, wo sie sich bietet. Aber das kann ihnen auch leicht zum Verhängnis werden. Tausendfach geraten jährlich Delphine und andere Meeressäuger, die aus intelligenter Bequemlichkeit den Routen der Fischfänger folgen, in die Fangnetze und werden getötet. Weitere werden gezielt gefangen, um geschlachtet und gegessen zu werden: „Eine Schande“, befindet Kiessling. Rund 200 Delphine leben derzeit in Delphinarien - und werden manchmal besser, manchmal schlechter gehalten.
Zoologische Gärten
Doch die zoologischen Gärten sind schon seit geraumer Zeit nicht mehr einsam vor sich hindümpelnde Archen, sondern haben sich weltweit zu schlagkräftigen, effizient arbeitenden Netzwerken zum Schutze der Natur zusammengeschlossen. Dieses Netzwerk wacht mit hohen Standards über die Haltung der Tiere. Wer mit ihnen Schindluder treibt, der findet sich sehr bald geächtet - und dann kann es leicht vorkommen, daß kein anderer Zoo mehr ein Tier in die Obhut einer für schlecht befundenen Anlage abgibt. Es herrscht strenge internationale Qualitätskontrolle.
Dem Loro Parque aber gibt man gern Tiere in Obhut - so etwa die gerade zusammenwachsende Gruppe von vier Orcas, die sich in der Loro-Parque-Familie aus Tieren und Menschen bald ansiedeln sollen: „Nicht nur ich selbst bin also davon überzeugt, daß unsere Tiere es gut bei uns haben“, sagt Direktor Wolfgang Kiessling. Forscher von internationalem Rang sind es auch. „Und die Tiere würden sich auch sonst bei uns kaum derart vermehren.“
Erhaltung, Begegnung und Forschung
Zuchterfolge gelten als ein wichtiges Kriterum für Qualität der Haltung. Vor allem intelligente hochsensible Tiere vermehren sich nur, wenn sie sich wohlfühlen in ihrer Familie; bei intelligenten hochsensiblen Menschen ist es nicht anders. Die Zuchterfolge des Loro Parque gelten als spektakulär - und das nicht allein bei der Papageien-Population. Nachzucht-Programme sind neben Forschung und Aufklärung eine definierte wichtige Aufgabe zoologischer Gärten, die sich als Stätten der Begegnung zwischen Tier und Mensch verstehen: „Wo sonst könnte der moderne Mensch dem Tier noch begegnen?“ fragt Kiessling. „In der freien Wildbahn kaum noch. Hier bei uns lernt er es kennen, schätzen und lieben... und schützen!... Wer Tieren ins Auge geschaut hat, der wird nicht mehr gleichgültig sein... Das ist das erzieher-ische und aufklärende Ziel zoologischer Gärten: Begegnung zu fördern, die Liebe erweckt - und den Drang, das Mitgeschöpf zu bewahren...“
Wirtschaftlichtkeit
Eine Anlage wie den Loro Parque zu erhalten und jährlich Dutzenden von Wissenschaftlern die Forschung zu finanzieren, kostet viel Geld, das der Loro Parque um der Erhaltung der Natur willen gerne bezahlt. Er muß aber wirtschaftlich arbeiten, um sich und seine ganze Familie dauerhaft erhalten zu können.
Dabei helfen letztlich die Besucher: Sie zahlen Eintrittsgelder dafür, die Familie des Parkes erleben zu dürfen. „Und damit das so bleibt“, erklärt Kiessling, „müssen wir auch immer wieder einmal Neues gestalten - so wie demnächst das Erlebnis der Orcas...“
Michael Wieseler Fotos: Klaus Neuner


 



 

 

         

 

 

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