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Kulturhotel: mar y sol - Tenerife

Kurhotel "mar y sol" • Trasera Victoria Court s/n • 38650 Los Cristianos / Tenerife
Telefon (aus Deutschland): 0034 922 / 75 05 40 • Fax 0034 922 / 75 28 83

 Stufenloser Urlaub in Los Cristianos

Verständnis für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung:

Ein Rollstuhl beißt nicht und ist auch nicht ansteckend“, so lautet die Aussage eines Rollstuhlfahrers. Diesen Eindruck scheinen aber doch immer wieder Leute zu haben. Anders ist es nicht zu erklären, daß Urlauber versuchten ihren Reiseveranstalter auf Reisepreisminderung zu verklagen, weil Rollstuhlfahrer im Speisesaal am Nebentisch saßen. Tatsächlich sind es aber Rollstuhlfahrer, die in normalen Hotels nichts als Probleme haben.
So schildert Ralf Schuhmann* folgende Situation: „Stellen Sie sich vor, Sie sitzen auf einem Stuhl vor dem herrlich angerichteten Buffet ihres Hotels und möchten sich etwas von den leckeren Speisen auf ihren Teller auflegen. Da bleibt nur die Wahl, sich mit dem zu begnügen, was vorne steht, oder andere um Hilfe zu bitten... Das aber ist nur eine von vielen schwierigen Situationen, mit denen wir als Rollstuhlfahrer in einem Hotel konfrontiert sind. Deshalb kommt uns das Angebot des Kurhotels Marysol auf Teneriffa so sehr entgegen.“
Kurhotel Marysol
Hans-Joachim Fischer, Eigentümer des Kurhotels Marysol in Los Cristianos, hat sich umfangreich Gedanken um die Bedürfnisse Behinderter gemacht. Seit 14 Jahren bietet er Menschen mit Behinderungen und deren Angehörigen die Möglichkeit in seinem Hotel Urlaub zu machen, ohne daß sie überall auf Barrieren treffen. Aus eigener leidvoller Erfahrung drängte es ihn, ein solches Haus zu konzipieren. Denn als er mit seiner schwer behinderten Frau vor 20 Jahren - wegen des guten Klimas und der Hoffnung auf Besserung - nach Teneriffa kam, war das Ehepaar mit großen Schwierigkeiten konfrontiert. Dem wollte er etwas entgegen setzen, indem er 1990 das Marysol eröffnete. Das Kurhotel ist behindertengerecht eingerichtet; angeschlossen ist eine Therapieeinrichtung, die bis hin zur Tauchtherapie ein vielseitiges Angebot bietet; eine Arztpraxis ist natürlich auch vorhanden. Über die Service-Station kann Pflegepersonal bei Bedarf rund um die Uhr in Anspruch genommen werden, Rollstühle und andere Hilfsmittel werden verliehen und repariert - und der behindertengerechte Transport vom Flughafen zum Hotel ist selbstverständlich. Um auf Ralf Schuhmanns Beispiel zurückzukommen: Das Buffet im Restaurant von Marysol hat keinen Unterbau, so daß man mit dem Rollstuhl wie an einen Tisch nahe heranfahren kann. Ein schräger Spiegel an der Rückwand macht alle Speisen auch aus der niederen Sitzposition gut sichtbar. Das ist nur eine von vielen Anpassungen, die das Hotel für seine Gäste vorgenommen hat.
Inselweiter Abbau von baulichen Schranken
Bernd ist ein junger Mann, der weder gehen noch stehen und auch seine Arme nur bedingt bewegen kann. Um sich selbständig fortbewegen zu können, nutzt er einen Elektrorollstuhl, den er mit einer Hand steuern kann. Gemeinsam mit seinen Eltern, die ihn zu Hause pflegen und rund um die Uhr für ihn da sind, ist er hier im Marysol. Die Eltern können sich hier einmal im Jahr für ein paar Wochen entspannen und auch Bernd fühlt sich ausgesprochen wohl, nimmt Therapie in Anspruch und hat viele Kontakte zu anderen Gästen. Bernd spricht langsam und zieht manche Worte sehr in die Länge. Vielleicht ist das der Grund dafür, daß manche erstaunt sind, wenn sie feststellen, daß man sich mit ihm ganz normal unterhalten kann.
Einmal, als er noch ein wenig gehen konnte, hatte man ihn wohl für betrunken gehalten, als er gestürzt war und am Boden lag, erzählt er. Viele Menschen sind damals an ihm vorbeigegangen, bis ihm endlich jemand half. Hier auf Teneriffa hat er nur positive Erfahrungen mit der Hilfsbereitschaft der Menschen gemacht. In Los Cristianos und Las Américas kann er mit seinem E-Rollstuhl die ganze Strandpromenade entlang fahren, da es keine Stufen gibt, die ihn hindern. Diese „freie Fahrt“ hat ihre Ursache in einem vom Gobierno (der kanarischen Regierung) und dem Cabildo (der Inselregierung) initiierten Programm, das von den Gemeinden umgesetzt wird. Es besagt, daß alle baulichen Schranken in öffentlichen Bereichen, die für Rollstuhlfahrer Barrieren darstellen, abgebaut werden sollen. Auch in die Geschäfte und Restaurants kommt Bernd gut hinein. Und wenn mal etwas im Weg steht, sind immer Menschen zur Stelle, die gerne helfen.
Verständnis füreinander
Alle Gäste des Marysol genießen es, im Hotel auf Gleichgesinnte zu treffen. Kein Mensch, der es nicht selbst erlebt hat, kann nachempfinden, wie es jemandem geht, dessen Beine die Standfestigkeit verweigern - oder daß selbst das Sprechen größte Mühe bereitet, während die Gedanken viel schneller kommen.
„Hier treffen wir auf Menschen mit den gleichen Problemen, man hat Verständnis füreinander“, erzählt eine Dame aus Hamburg. Sie kann sich hier „frei“ bewegen ohne von der Seite angestarrt zu werden. Zu Hause benutzt sie den Rollstuhl kaum, sondern den Rollator, einen Gehwagen, mit dem sie kurze Strecken gehen kann. „Im Rollstuhl ist man immer in einer untergeordneten Position, alle schauen auf einen herab“, erzählt sie. Hier im Marysol benutzt sie den Rollstuhl häufiger, denn es gibt viele Rollstuhlfahrer. Die Hemmung, das nützliche, weil kraftschonende Hilfsmittel zu benutzen, verliert sie dann. Hauptanlaß für ihren Urlaub auf Teneriffa sind die Therapien im Hotel, mit denen sie sich etwas Gutes tun möchte. Und gleichzeitig entflieht sie dem kalten Wetter in Deutschland. Das bestätigen auch die anderen, das naßkalte deutsche Wetter ist sehr beeinträchtigend. Es verschlechtert die Symptome und schränkt die Möglichkeiten ein, aus dem Haus herauszukommen. Mit Rollator oder Rollstuhl ist man bei Regen und Schnee ziemlich aufgeschmissen, so bleibt in dieser Zeit nichts anderes übrig, als das Haus zu hüten: „Überhaupt müssen alle Unternehmungen mehr geplant werden als früher“, sagt die Dame aus Hamburg, „mal schnell weg gehen ist nicht mehr drin.“ Bei der Wahl des Restaurants muß überlegt werden, ob dort die Toiletten ohne Stufen zu erreichen sind. Eine Treppe in das Untergeschoß kann sie nicht bewältigen. Selbst das Rathaus ihres Heimatortes kann sie nicht betreten, da eine Treppe hinauf führt. Ins Theater kommt sie nur durch einen Hintereingang. Alles Unternehmungen, die für „Normal-Bewegliche“ völlig unkompliziert sind. Das Marysol ist wie eine Oase, in der man alle Räumlichkeiten stufenlos erreichen kann, wo Türen breit genug für Rollstühle und die Duschen schwellenlos und mit Haltegriffen ausgestattet sind. „Wenn auch andere Hotels damit werben, daß sie einige behindertengerechte Zimmer haben, ist doch nirgends das ganze Haus so behindertengerecht wie hier“, sagt Herr Schmid*.
Behinderte als volle Menschen akzeptieren
Herr Schmid* kann etwa 400 Meter ohne Hilfsmittel gehen, für größere Strecken benötigt er einen Rollstuhl. Auch er hat die Erfahrung gemacht, daß die Spanier oder Canarios unbefangener mit ihm umgehen, als er das von Deutschland gewohnt ist. Auf die Frage, wie er sich wünscht, daß Nichtbehinderte mit Behinderten umgehen sollten, sagt er: „Einfach aufgeschlossen entgegengehen und den Behinderten als vollen Menschen akzeptieren.“ Gerne, sagt er, kann man ihn auf seine Probleme ansprechen, er kann ganz offen darüber reden. Sicher ist das angenehmer als gaffende Blicke.
Alle Gäste des Kurhotels Marysol, mit denen wir gesprochen haben, sind oft auf andere angewiesen und freuen sich, wenn ihnen Hilfe angeboten wird. Die Dame aus Hamburg ergänzt, daß es aber auch wichtig ist, sich nicht zu viele Handgriffe und Tätigkeiten abnehmen zu lassen, auch wenn sie vielleicht mühsam zu bewerkstelligen sind. Das ist ein wichtiger Punkt, um die Selbstständigkeit so weit wie möglich zu bewahren. Sie zieht es daher lieber vor, nach Hilfe dann zu fragen, wenn sie welche braucht. Deshalb sollte man sich nicht wundern, wenn das Hilfsangebot auch mal abgewiesen wird. Was aber Nichtbehinderte wissen dürfen, ist, daß man auf Behinderte zugehen und Hilfe anbieten kann. Sollte das abgelehnt werden, kann es als ein „Ja“ des anderen zu seiner eigenen Selbstständigkeit empfunden werden.
Es gibt kein Pauschalrezept für den Umgang mit einer bestimmten Gruppe, in diesem Fall mit Behinderten. Aber sicherlich sind Respekt und Verständnis und die Bereitschaft zu helfen und zu unterstützen - nicht zu betüddeln - eine gute Möglichkeit, Behinderten zu begegnen. Wenn Schranken im Denken und Handeln fallen, dann verschwinden sie auch in der Wirklichkeit – wie eben bei der behindertengerechten Planung auf Teneriffa.
Michaela Enzmann

 

         

 

 

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