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Auditorio de Tenerife
Auditorio
Auditorio 2
Auditorio 3
Teneriffanachrichten

Die Ikone von Teneriffa
Das Auditorium
Teneriffas ist offiziell eingeweiht. Kronprinz Felipe betrat am Abend des 26.
September die Königsloge des großen Konzertsaales, in dem sich rund 1.600
Eröffnungsgäste versammelt hatten, und wurde mit begeistertem Applaus empfangen.
Das Publikum erhob sich zur Nationalhymne; dann trat der polnische Komponist
Krzysztof Penderecki ans Dirigentenpult und inszenierte seine „Fanfarria Real“,
ein Werk für sieben Fanfaren und Orchester, das eigens für das Eröffnungskonzert
in Auftrag gegeben worden war - ein Vorgeschmack der künftigen kulturellen
Weltgeltung, die das neue Konzerthaus sich bereits jetzt zumessen kann.
Die Besten der Besten werden sich darum bemühen, in dem von Santiago Calatrava
geplanten Gebäude mit seiner als phantastisch gelobten Akustik musizieren zu
dürfen. Erste Verhandlungen sind schon im Gange. Großes ist zu erwarten.
Zu Recht, so die fast einhellige Meinung der Beobachter, wurde die offizielle
Einweihung als Jahrhundert-Ereignis für Teneriffa gefeiert. Regen Anteil nahm
das kulturell geprägte Ausland. Mehr als 60 internationale Medien berichteten.
Wir haben uns veranlaßt gesehen, dem Jahrhundert-Ereignis der Insel in dieser
Ausgabe den angemessenen breiteren Raum zu gewähren. Klaus Neuner hat für uns
photographiert. Heinz Rodolf Renelt hat für uns das Eröffnungs-Konzert besucht
und kommentiert und das Programm des 20. Kanarischen Musikfestivals
zusammengestellt. Hans König schließlich, der für uns in Wien die sensationelle
Ausstellung über das Werk des Architekten Santiago Calatrava besuchte, erörtert
in einem Essay den konzeptionellen Hintergrund des Jahrhundert-Gebäudes.
Michael Wieseler
Beschützt
durch den Ellbogen
Ein Titanenbau steht uns nun
allen zur Verfügung. Kindlich staunend sind wir schon beim Bau dieses Kunstwerks
am Meere verweilt. Jetzt ist es eröffnet. In vielen medialen Produkten konnten
Sie die Details, die Technik, das Eröffnungsprogramm und vieles mehr verfolgen -
eben das, was die Aktualität des Moments erfordert. Ein Augenblick der
Eröffnung, der das zentrale Ereignis des Beginns des 21. Jahrhunderts für Santa
Cruz darstellt und die gesamten Kanarischen Inseln, Spanien und mehr noch, die
Kunstfühlenden der ganzen Welt bewegt. Darum hat sich diese Zeitung dafür
entschieden, Ihnen ein wenig mehr zu bieten als Tagesaktualität. Ein Künstler
des Bildes, Klaus Neuner, sieht durch sein Auge das neue Wahrzeichen Teneriffas.
Er bringt das Talent des Architekten Calatrava, Licht und Schatten durch seine
Stahlbeton-Glas-Magie, die sich jede Stunde des Tages, jeder Jahreszeit und
Lichtstärke, jeder künstlichen Beleuchtung zu einem anderen Monument wandelt,
deutlich zum Ausdruck Calatrava gibt uns die Hoffnung an die Moderne wieder.
Stahlbeton und Glas, der Carrara unserer Zeit, hat uns zu entmenschten
Architekturlösungen der alltäglichen Depression geführt. Die Überspitzung des
Bauhausprogrammes, das das Ornament als Verbrechen denunzierte, verwandelte
ganze Großstädte in Satelliten-Ameisenhaufen und in Quellen psychiatrischer
Massenerscheinungen und gesellschaftlich pathologischer Stadtflucht. Die
Wiederkehr des privaten Heiligen – mit der hohen Hecke des Eigenheims in
austauschbaren Urbanisationen, mit Demo-Häusern und Gartenzwergen des Fuchses
von „Schwäbisch Hall“ – war die Antwort. Schuldenversumpfte Familienväter fanden
unter dem Wappen von Hornbach „ immer was zu tun“. Und was sie taten - oder eher
untaten - war Kriminalität an der Psyche ihrer Enkel. Nun gibt es endlich wieder
einen Architekten, der in urbanen Dimensionen - am Beispiel der Details des
menschlichen Körpers - der urbs und ihren Bewohnern die Kraft des Städtischen,
die Gewalt und Schönheit des Kleinen im riesigen Kontext wiedererfindet schmuck-
und frieslos, ornamental unbehübscht, nur schwarz-weiß denkend. Schatten seiner
parabolischen Säulen: Formen neuer kultureller Dome, die die Syntax der alten
Steinmetze und Maurer sprengt, ohne den goldenen Schnitt der dem Menschen
immanenten Geometrie eines höheren Wesens zu stören - eine Alhambra plus Hagia
Sophia plus Carlo Borromeo in Kuppel und Säulenduktus. Ein Hiram des
salomonischen Tempels in unserem Heute. Das ist für mich Santiago Calatrava.
Meine Gedanken dazu, schon als Essay in Wien beim Besuch der sensationellen
Santiago-Calatrava- Ausstellung entstanden und jetzt durch das Faktische der
Linien, Bögen und Kurven in neue Gedanken gelenkt, soll Ihnen, wenn Sie mir
geneigterweise folgen wollen, auch wieder neue Denkanstöße beim Besuch des
Auditoriums geben. Sie sagen vielleicht, das ist doch nicht Aufgabe einer gratis
verteilten Zeitung. Ich sage: Jetzt haben Sie die Zeit, die Sie sonst einem
teuren Wochenmagazin widmen, diesen Eindrücken nachzuhängen und Eigenes in Ihrer
rechten und linken Hirnhälfte, in Ratio und Emotio, über moderne Architektur -
hier speziell als Gefäß der Musik - neu zu formulieren. Santiago Calatrava, der
Architekt. Was für ein außergewöhnlicher Mensch!
Wenn schon jemand in Spanien den Vornamen Santiago trägt, den des Heiligen
Jakobus, der bereits mystisch an sich ist... Die legendäre Wiederauffindung
seiner sterblichen Reste, die schon eine Weltreise hinter sich gebracht hatten -
von Jerusalem, wo ihn Herodes köpfen ließ, über das Kloster im Sinai, das heute
Katharinenkloster genannt wird, bis hin in die antike Nekropole Nordspaniens,
die heute Santiago de Compostela symbolisiert... Dann erscheint dieser einfache
jüdische Fischer aus Bethseda beim Kampf gegen die Mauren mitten in einem
Wolkenloch im Himmel und wird zum Matamoros, zum Mohrentöter... Spanischer
geht’s nimmer. Und dann noch den Familiennamen Calatrava zu führen! Ein
Calatravo ist ein Ritter des angesehensten Ordens Spaniens. So soll man
hierzulande heißen.
Aber der Name allein macht es nicht. Was der Mann schon alles verwirklicht hat!
Das aber soll nicht Inhalt dieses Essays sein. Das nämlich können Sie auch im
Internet nachlesen. Lassen Sie sich nur von den Bildern bezaubern. Und zusammen
mit Ihrer Phantasie erzeugen Sie dabei auch Töne. Lassen Sie sie klingen! Vergil
rät es Ihnen schon in seiner Aenaeis: „Singe, oh Muse.......“. Dieses Gebäude
erfordert ganz selbstverständlich die Renaissance des klassischen
Bildungsbegriffes mit dem modernen Global Village. Aber langsam, folgen Sie
meinem Gedankengang: In meinem Auge entstand sofort die Erinnerung der
romantischen Bilder einer Ilias oder Odyssee. Der Helm des archaischen Helden,
ob Achilles, ob Hector, Ajax und Odysseus, sie alle trugen Calatravas „Olecranon“,
den riesigen Helmknauf, der nicht nur federverziert Schutz gegen den
Schwertschlag bot, sondern durch Überhöhung der Figur des Trägers, Signal in der
Schlacht und Abschreckung des Gegners bedeutete. Calatrava verwendet aber nie
klassische Zitate in seinem Oeuvre, sondern immer nur anatomische Teile des
menschlichen Körpers. Zum Beispiel die Augenbraue, das Lid - die Messehallen in
Santa Cruz und im Riesengelände von Valencia.
Das menschliche Olecranon lernte ich das erste Mal im Anatomie-Sezierkurs kennen
und freilegen. Der Ellbogen - ein unerhört harter Knochen: Viel dichter als alle
anderen des Menschen, schützt er das exponierte Gelenk, in dem die
überdimensionierte Kugel der Elle, die Trochlea, sich bewegt. Angesichts des
glatt beschichteten, strahlenden Auditoriums platzten aus dem Labyrinth meiner
Erinnerungen die Bilder der weißen, knorpelbehafteten Knochenteile wieder
her-vor, herausgeschält aus dem blutigen Arm des von mir Sezierten. Die Kugel,
behütet durch den Schutz des Endes des Oberarmknochens. Echt Calatrava. Man
nehme einen Teil des Menschen und projiziere ihn ins Gigantische. Wie kommt nun
aber der archaische Helmknauf als Ellbogen ins Global Village?
Der riesig projizierte Ellbogen am Meeresufer ist ein Symbol des heutigen homo
oeconomicus. Die Ellbogengesellschaft, die das Ende des Sozialsystems
manifestiert. Die Muse, die singen will, braucht einen maecenas, einen Förderer;
nicht mehr kann sie aus dem öffentlichen Haushalt, dem census publicus, gespeist
werden. Nicht einmal abgespeist. Kulturgenuß heute bedeutet eine neue Form der
Produktion. Sponsoring, Abhängigkeit vom Werbeträger: „Das Adagio des nächsten
Satzes übernimmt die Caja Canarias, die nächsten drei Takte werden vom Corte
Inglés ermöglicht...“ Ich möchte keine weiteren Firmen erwähnen, da sonst die
Redaktion schwarze Balken in dieses Essay legen muß. Ökonomie des freien
Marktes, Moral der Kunst. Der Ellbogen, Symbol unserer Gesellschaft als
Schutzmantelmadonna von Bruckners „Te Deum“: nicht anlegen mit dem potentiellen
Inserenten.
Dies ist ein Lobgesang auf die Eröffnung, von einem schlichten, knorrigen
Oberösterreicher in einem Stallgebäude des Oberen Belvederes in Wien auf
fasriges Papier gekratzt. Beschützt durch den Ellbogen. Kein Musikvereinssaal in
Wien, der goldene Dom des musikalischen Historismus, kein Konzerthaus hat
Bruckners schlichte und doch so komplizierte Chromatik je so bis ins Letzte des
„Te Deum“ nachschwingen lassen wie Calatravas gigantisches Detail des
menschlichen Körpers. Akustik modernst, möglich gemacht durch die politische
Kraftanstrengung der hiesigen Inselregierung und die Ellbogenfunktion der
modernen Wirtschaft. Das Global Village, das uns heute wieder in einige wenige
Bürgermeister und in zahllose Dorftrottel unterteilt, zeigt vergil’sche Züge:
„Singe – oh Muse“ zum Lobe Gottes, des Cabildo und der im Abspann folgenden
Sponsoren.
„Andererseits“, würde Tevje, der Milchmann sagen: „Wer gäbe dem Fiedler sonst -
ein paar Kopeken?“
Hans König
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Die Ikone
von Teneriffa
Daß ein Musentempel seine
Zeit braucht, ehe er seine Tore für die Kunstfreunde öffnet, ist ganz
natürlich. Daß er Geld kostet, viel Geld und, daß es immer mehr wird, als
geplant, eigentlich ebenso verständlich. Doch wenn dann die ganze
Baugeschichte zur Historie wird, wenn ein Star-Architekt ein Glanzstück
abgeliefert hat, wenn die Akteure der Kunst Einzug gehalten haben und vox
populi staunend und bewundernd vor dem neuen Wahrzeichen stehen, dann ist
ein neuer Stern am Firmament des Himmels der Kunst geboren.
So geschehen auf Teneriffa, in seiner Hauptstadt Santa Cruz. Die großen
Aufregungen, bevor der Tempel seine Pforten öffnen konnte, sind vergessen,
wenn die Ikone ihre ersten Gäste empfängt. Das war am Freitag, dem 26.
September 2003, 19 Uhr 30.Die Herbstsonne neigte sich zum Horizont und
vergoldete das strahlend weiße, futuristisch kühn gegen die Ozeanfläche
prunkende Architektur-Glanzstück. Die Ikone von Teneriffa hat Premiere.
Nun, der offizielle Name des Bauwerkes muß aber auch genannt werden:
AUDITORIO DE TENERIFE. Dieser Name verrät leider zu wenig von der
faszinierenden Wirkung, die den Betrachter unwillkürlich in seinen Bann
zieht. Viel wird darüber noch zu schreiben sein. Hier bilden Kunst und
Kühnheit eine extrem fruchtbare Symbiose. Es ist kurz vor 19 Uhr 30 an
diesem inselschönen Septembertag, der große Symphoniesaal hat sich gefüllt.
Dieser Saal, wie auch der kleinere Kammermusiksaal sind gelungene
Neuschöpfungen im Stil griechischer oder römischer Amphitheater. Beste Sicht
von jedem Platz aus. Ich ahne, das muß sich zwangsläufig auch in der Akustik
wiederspiegeln.
Inzwischen wird das Audimax sacht abgedunkelt. Eine Projektionsleinwand
rollt über den Bühnenraum. Gibt es einen Film zur Einstimmung? Richtig. Wir
sehen eine Videodemonstration , die uns Bauphasen, Inselverbindung,
Weltbeispiele analoger Kunststätten und Architekturspots des Hauses zeigt.
Kurz melden sich auch Ricardo Melichor (Presidente del Cabildo de Tenerife)
und der ingenieuse Star-Architekt Santiago Calatrava Valls zu Wort. Noch im
Dunkel erkenne ich, wie sich die Musiker des Orchesters (OST) dabei an ihre
Pulte schleichen. Dann – volles Licht auf Bühne und Auditorium. Klar, am
Premierentag waren ausschließlich geladene Gäste im Auditorio.
Prominentester Gast als Vertreter des Spanischen Königshauses ist Kronprinz
Felipe und mit ihm in der Ehrenloge Honoratioren aus Kunst und Politik von
Insel und Festland. Schlag 20 Uhr betrat der Prinz die Loge, wurde mit
standing ovations begrüßt und das jetzt in vollem Bühnenlicht stehende
Orquesta Sinfónica de Tenerife unter der so bewährten Stabführung seines
Chefs Victor Pablo Perez intonierte die spanische Nationalhymne. Stehend
ehrten die Gäste Land und Königshaus.
Doch nun – Dirigentenwechsel. Pablo Perez räumt das Pult für den Komponisten
des Auftragswerkes zur Einweihung – ans Pult tritt nun der zeitgenössische,
international renommierte polnische Komponist und Dirigent KRZYSZTOF
PENDERECKI. Er schuf die Entré-Gala-Hymne FANFARRIA REAL, die königlichen
Fanfaren. Ehe Maestro Penderecki den Taktstock hebt, ein wenig Biografie zu
diesem bedeutenden Tondichter. Wer seine Handschrift aus vergangenen
Jahrzehnten kennt, mag etwas erstaunt über die Wahl dieses Meisters sein.
Doch, Musikfreunde, Sie werden Ihr blaues Wunder erleben!
Penderecki wurde am 23.11.1933 in Debica geboren. Erst mit 21 Jahren
besuchte er die Musikhochschule. Er gewann sensationell einen 3-fach-Preis
im Komponisten-Wettbewerb und ist 30 Jahre später beim Weltruhm angelangt.
Religiöse Themata sind sein Hauptgebiet. Eines seiner umstrittensten Werke
war 1967 sein Dies Inae, das Auschwitzoratorium. Von Haus aus ist er Geiger.
Aber als Komponist haben ihn Werke mit Klängen an der Grenze zum Geräusch,
Cluster in seinen Notaten, ekstatische Dissonanzen und skurrile Tonmalereien
bei vielen Musikfreunden suspekt gemacht. Aber heute? Er hat zu esoterischer
Tonarbeit gefunden. Die bruitistischen Effekte aus seiner Sturm- und
Drang-Zeit sind einer beinahe romantisierten Form gewichen. Also vielleicht
doch der richtige Mann für diese Einweihung.
Der „große“ Krzysztof hebt den Taktstock. Die „Fanfaren“ die in Wirklichkeit
b-Trompeten sind, hat er diametral zum Orchester an der „Königsloge“postiert.
Nach der werkbedingten „Blech-Einleitung“ folgt ein lyrischer Unisonopart
des Orchesters, der mich beinahe wagnerisch anmutet. Große Überraschung im
nächsten Part, die Komposition variiert, tänzerisch verspielt, Elemente der
spanischen Folklore. ( Wo sind nur seine Dissonanzen , seine musikalischen
Provokationen geblieben?). Zum Ausklang dann wieder die Fanfarensignale, das
Orchester dazu melodisch-liedhaft. Penderecki hat zu bewährter Musikkultur
zurück gefunden. Daß er der Richtige für die Gala-Eröffnung war, zeigt der
Beifall. Der lange Applaus verebbt und am Pult vollzieht sich wieder der
Dirigentenwechsel. Pablo Perez übernimmt wieder das Dirigat. Auditorio de
Tenerife, die neue Heimstätte des OST. Dem Orchester dieser Klasse Emotionen
nach zu schreiben, ist wahrlich überflüssig. Diese Musiker haben sich
nachdrücklich in die lange Liste der Weltklasse-Orchester hineingespielt.
Sie machen ALLES mit Verve. Pablo richtet das mit seinem sparsamen, aber
gestisch absoluten Taktieren.
Weiter im Programm. Wer soll folgen, wer ist würdig? Der Tonfürst der
Klassik, LUDWIG VAN BEETHOVEN. Der unvergleichliche Ludwig van, (1770 –
1827). Er hat fünf Klavierkonzerte geschrieben. Unter dem Opus no. 73
komponierte er in Es-Dur sein 5. Klavierkonzert, die Eroica-Tonart! Bekannt
wurde es als „Kaiserkonzert“. Also genau richtig für diesen Anlaß. Solist am
Flügel ist Mikhail Pletnev. Der Meisterpianist ist nicht nur an den Tasten
weltweit erfolgreich, ebenso glänzt er auch als Dirigent und Komponist.
Geboren ist Pletnev am Eismeer im tiefen Norden Russlands. Sehr gefördert
von so bekannten Politikern wie Gorbatschow, Jelzin und heute Putin.. Echte
Musik steht über aller Politik. Und nun rauscht beethovensche Klangfülle in
den neuen Sinfonie-Saal. Ich kann Tonfolge für Tonpassage mitdenken. Was ist
neu? Die Interpretation? Die Beethoven-Partitur ist vom Takt und der
Intervall-Verknüpfung absolut neu interpretiert, ohne die Werksubstanz zu
verfälschen. Kann das der Einfluß des Solisten und Komponisten Pletnev sein?
Ich möchte Sie nicht mit Analysen der einzelnen Sätze langweilen. Vielmehr
drängt es mich, bei dieser Klangschönheit, etwas zur Akustik des neuen
Wahrzeichens von Santa Cruz zu sagen.
Man hat viel gestritten, gerechnet, verändert und umkonstruiert. Heute hier
das Ergebnis: Diesem Haus ist ein non plus ultra in Schallwiedergabe und –umsetzung
immanent. Da sind höchste physikalische Parameter der Klangumsetzung
realisiert. Hier existiert kein „Klangwirrwar“ wie in manchen Konzertsälen
anderer großer Häuser. Im Auditorium steht ein Soloinstrument unmittelbar
vor jedem Hörer. Klangrein in aller Schönheit. Das Orchester ist in jeder
Passage differenziert oder vereinigt partiturgerecht im Raum. Der Klang
einzelner Soloinstrumente kommt glasklar in Ohr und Herz jedes
Konzertbesuchers. Pletnev macht diesen Beet-hoven zum modernen Erlebnis und
Perez mit dem OST geht kongenial diesen Weg mit. Die Gäste danken mit
standing ovations.
In der Konzertpause übertrifft der Service des Hauses alle Erwartungen.
Angeregte , internationale Konversationen durchfluten das Foyer. Es ist
Zeit, den 2. Teil des Konzertes zu genießen. Schon beim verklungenen
Klavierkonzert stand über dem Orchester in einer grafisch wohlgestaffelten
Gliederung ein großer, gemischter Chor. Es ist der weltberühmte Orfeón
Donostiarra aus San Sebastián. Gegründet wurde er 1897. Der Siegeszug dieses
Chores geht über den ganzen Erdball, wird begleitet von bedeutenden
Dirigenten und tangiert alle namhaften Orchester der Musikszene. Die
bedeutendsten Chorwerke hat er in seinem Repertoir. Heute steht JOSÉ ANTONIO
SAINZ dem historischen Chor als Master vor.
Das große TE DEUM von ANTON BRUCKNER erfüllt den zweiten Programm-Teil.
Bruckner (1824 – 1896), geboren in Oberösterreich hat sich zunächst
musikalisch autodidaktisch gebildet. 1855 errang er die Domoganistenstelle
in Linz, wurde Organist an der k. und k. – Hofkapelle und erhielt eine
Professur. 1861-63 begann seine Laufbahn in praktischer Komposition. Er
schenkte der Musikwelt 8 große Sinfonien, eine Neunte blieb unvollendet.
Dazu ordnen sich drei Messen und eine Reihe geistlicher Werke – und eben –
ein großes Te Deum (1881-1884) für Chor und großes Sinfonieorchester.
Bruckner verband die österreichische Kirchenmusik-Tradition mit seinem
sinfonischen Ausdrucksstil und erzielt eine Musik fern von Mode und Effekt
mit geradezu mystischer Inbrunst. Seine tiefe Verbundenheit zur röm.-kat.
Glaubenslehre im Te Deum , in einer Huldigung an den Schöpfer und sein Werk,
wohl auch an das von Menschen zu seiner Ehre geschaffene Bauwerk, war
sicherlich ausschlag gebend für die Werkwahl zu diesem Eröffnungskonzert.
Bruckners Kompositionsstil und sein Ideengehalt kommt der weitgehend
katholischen Tradition in Spanien emotional sehr entgegen. Als „Stolz meines
Lebens“ bezeichnete Bruckner sein Werk.“Te Deum laudamus“ ist ein
feierlicher Lob-, Dank- und Bittgesang der römischen Kirche und hat seinen
Ursprung etwa im 4. Jahrhundert im Banne der Gregorianik.Bruckner hat sein
Werk „dem lieben Gott“ gewidmet. Die sechs Sätze des Werkes leben neben den
orchestralen Parts vom Einsatz eines großen Chores und seiner Interpretation
der Lithurgie.. Da war der weltberühmte Orfeón Donostiarra sehr geschickt
ausgewählt. Harmonisch und gesanglich in Höchstform ordneten sich dazu die
vier Solostimmen: Maria Orán (Sopran), Liliana Nikiteanu (Mezzo-Sopran),
Kurt Streit (Tenor) und der Bariton Josep Miguel Ramon. Das Werk beginnt mit
einer heftigen, ostinaten Streicherfigur, nur mit Grundintervallen, klar und
einfach , wie ein Glaubenssymbol. Der Chor greift diese Intervalle unisono,
gleichsam gregorianisch auf. Die konzertante Solo-Violine verstärkt den
Eindruck einer engelhaft schwebenden Musik. Hier entsteht der
Erlösungsgedanke in traditionell christlichem Zusammenhang. (Das erinnert an
Wagners „Entrückungen“). Die Schlußfolge wirkt dann ganz barock durch die
Doppelfuge und die Fuge mit Choral.
Credo: Schöpferischer Lebensimpuls vertieft und erweitert das Verhältnis zum
Glauben, zum Jenseits, zu Gott. Eine Art, Würdigung zu zeigen, demonstriert
die Vollendung unseres Auditorio de Tenerife. Dank den Bauherren, dem
Architekten, den mitwirkenden Künstlern, den vielen ungenannten Bauleuten
und, last but not least unserem Orquesta Sinfónica de Tenerife mit seinem
Chefdirigenten. Unsere Insel hat ein neues Symbol.
Heinz-Rodolf Renelt |

Magic Flute opens Opera Season at the Auditorium
For the first time ever in
Tenerife, some 5000 tickets have been sold for an opera. Last night was a
historic moment at the new Tenerife Opera House with the premier of Mozart’s
Magic Flute showing to a full house. Santa Cruz can now be dubbed the cultural
capital of the Canary Islands.
All three performances of the popular work by Wolfgang A. Mozart, have sold out,
revealing the demand by the public for grand scale productions in Tenerife. It
is the first time 5000 tickets have been on sale for an opera, the equivalent of
seven performances at the Guimerá Theatre.
An original version of the Magic Flute delighted the audience at the brand new
Opera House in Santa Cruz last night. Among the dignitaries attending were the
president of the Canary Islands government Adan Martín and the mayor of Santa
Cruz Miguel Zerolo.
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| The Magic Flute/Klaus Neuner. |
The production was designed and directed by Joan Font, director of the well
known theatre group Els Comediants with musical direction from Victor Pablo,
director of the Tenerife Symphony Orchestra and one of Spain’s top conductors.
There were two more performances on Thursady 16th and Saturday 18th October.
For Font, “The Opera House is beautiful, it has great impact with the sea behind.
It is an incredible experience seeing it.” The Tenerife Auditorium is a unique
building, designed by the well known architect Santiago Calatrava.
The vanguard Opera House is attracting international media coverage since
opening on 26 September and it is set to become a tourist attraction for
Tenerife. Now Spain’s National Tourist Board Turespaña plans to include it in
promotions and publicity for Spain at trade fairs abroad. The decision was
adopted at a meeting between Tenerife’s tourism minister José Manuel Bermudez
and secretary of state for tourism Germán Porras and forms part of Tenerife’s
drive to diversify the holiday market into sections like Tenerife Convention
Bureau, Tenerife Select and Tenerife Golf.
This is the XXXIII Tenerife Opera Festival, formerly based at the Guimerá
Theatre. According to Javier Martínez of the Tenerife Opera Association (ATAO),
“We aim to improve it each year making it bigger and better so that it will
become nationally and internationally known.”
He added that there will be more performances in future festivals but it will
take time and “hopefully step by step we will increase attendance to the opera
season.”
For director Joan Font, “We are very proud to be able to bring this work to
Tenerife and open this festival. We want people to really enjoy opera and it is
complex to bring it closer to today’s public.”
According to Victor Pablo, “The Tenerife Cabildo has gone to great lengths to
make prices reasonable for the general public with discounts of 50 per cent for
teenagers under 15 years and children. Tickets start at 10 euros, so they only
pay 5 euros - less than a cinema seat. It means people who would never dream of
going to the opera get the chance to see one for the first time.”
There are two more operas plus a Lyrical Gala being staged at the Opera House in
the run up to Christmas: a concert version of Romeo and Juliette by Hector
Berlioz, coinciding with the 200th anniversary of his birth, on 25 October.
Directed by Marc Minknowsk, starring Sylvie Brunet, Loic Félix and Alain Vernhes
and featuring the choir of the “Generalitat Valenciana”.
The final opera will be a grand scale production of Rossini’s “L’Equivoco
Stravagante” directed by Albert Zedda, the great contemporary Rossini expert.
The production from the Rossini Festival in Pessaro, Italy, will premier in
Spain on 4 and 6 December 2003 at 20:30. It stars Laura Polvorelli, Alessandro
Corbelli and Marco Vinco.
The last festival production will be a Lyrical Gala with works by Verdi, Bellini
and Donizetti on 19 December at 20:30.
Spain’s only Jazz Festival until 20 December
Spain’s only fixed jazz season has also opened at the Auditorium. The Festival
de Jazz del Atlántico features five concerts until December and continues on 25
October with Bernardo Sasetti Trio. Other shows: Diane Schuur from USA on 15
November, the group Atcheré on 29 November and the Detroit Gospel Singers (USA)
end the festival on 20 December. All jazz concerts take place in the Chamber
Music Hall except the 20 December one, which will be in the Symphonic Hall.
Copyright both from Tenerife News
A Critic’s Grouse
As a music critic, it has to be said that I am used to going to
concerts. Indeed, if I didn’t go to concerts, I couldn’t do the most
important part of my job. Perhaps it is time that this seemingly obvious
fact was made known the members of the Cabildo responsible for concerts
in the new Auditorio.
The reason for my complaint is that, in the bad old days of Teatro
Guimerá, when the Tenerife Symphony Orchestra office staff took charge
of season tickets and the like, all members of the Press would apply in
good time, and a season ticket for all the concerts would be waiting for
us at the box office before the first concert. Now that the Cabildo has
taken over bookings in the new hall, it appears that our editors have to
apply for each concert separately, and we have to hope and pray that we
can get a seat. I suppose the extra paperwork will help to keep someone
at the Cabildo in a job.
Failure
The failure of the system may become apparent if you notice that, in
spite of the O.S.T. playing three performances of Mozart’s opera “The
Magic Flute” last week, as well as a concert of Mozart’s Clarinet
Concerto and Requiem last Friday, you will not see a review in these
pages. Why? Simply because I wasn’t there! This correspondent,
apparently like many others, couldn’t get a ticket. And don’t think that
the British press is being singled out for this treatment – other
critics, including those from the Spanish newspapers, are suffering the
same fate.
Berlioz
So let’s hope that we are luckier next week, and that I get to see
Berlioz’ opera, “Romeo and Juliette”. Mind you, looking at the other
side of the coin, staying at home on concert nights will save a fortune
on baby-sitting! However, I don’t want to be reduced to the critic in
the attached Hoffnung cartoon, entitled “Reviewing in spirit”! Let’s
keep our fingers crossed!
Copyright by Auditorio de Tenerife
www.auditoriodetenerife.com
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